High Surf

It´s not the sound of the waves,
it´s the motion of the ocean,
a ride into my soul
Open your mind….
Glitzernde Sandkörner unter den Fußsohlen, warmes Prickeln. Das Rauschen kommt näher, ich trage das Brett gewichtlos mit mir.
Umklammere es, denn die Angst ist ein Teil des Kicks. Es treibt mich in die Nähe, ich höre die Bewegung, wie sie flüstert.
Die auflandige Brandung scheint nach mir zu greifen, feuchte Hände, die sich nach mir ausstrecken und nach der Kontrolle über mich gieren.
Ich gebe nach, wenn ich eintauche in das kühle Nass, das meinen Körper zärtlich umspielt. Meine Nervenenden berühren die Oberfläche, jeden Zentimeter abtastend, während ich meine Entscheidung treffe. Ich lege mich auf das Brett und lasse mich ziehen, unter mir das kristallene Blau, die Erde noch sichtbar, aber nicht mehr zum Greifen nah. Schwebe schwerelos auf das Ziel zu und lasse das Ziel hinter mir.
Das Rauschen ist um mich herum, kriecht in mein Ohr und füllt mich mit Vorfreude, die sich einlullend über mein Angst legt. Sehe die weiße Linie am Ende des Blaus, bevor es in das weiße Himmelblau übergeht und schaue der Herausforderung ins gischtige Auge.
Mein Herz klopft im Rhythmus der herannahenden Berge, das Brett erklimmt sie mit Leichtigkeit, spielerisch und verführerisch zugleich Sicherheit versprechend. Das Salz auf meiner Haut brennt wie eine Berührung, jedes einzelne Korn wie ein kleiner Finger. Jetzt bin ich mitten drin, um mich herum nur das Blau, das Fühlen, Sehen und Hören. Es hüllt mich ein und ich bin wie in einer Seifenblase, das schlierige Bunt an der Außenseite verfremdet den Blick und ich sehe zu, wie wir tanzen werden, gleich.
Meine Atmung wird flacher, kürzer, es wird Zeit. Die nächste ist meine.
Ich sehe sie, groß, dunkel, verlangend, wie eine Decke aus blauem Samt - drehe mich um und stehe auf, als sie mich erfasst. Ride into my soul, ich höre nichts mehr, nur das Donnern in einem sprudelnden Crescendo, um auf der Höhe zu verharren. Es ist, als stehe alles still, für den Bruchteil einer Sekunde hat die Welt angehalten, als würde ein Countdown gezählt und dann stürze ich hinunter und schon bin ich da, der Kamm trägt mich auf seinem Weg. Ich bin atemlos und fühle das Schreien der Verzückung mit jeder Faser meines Körpers, ich höre nur noch in mich, um mich herum ist es laut, mächtig, bedrohlich und ich bin eins mit ihm in meiner Seifenblase, die auf der Welle tanzt. Nimm mich mit, lass mich Dir folgen oder Dir voraus sein, warte auf mich, lauf voraus, ich bin immer bei Dir. Hält mich, lässt mich los und der Fall ist wie in Watte getaucht und ich bin ein einziges Gefühl, das nie zu enden scheint. Das nicht enden will.
Es ist, als habe ich immer darauf gewartet und immer gewusst, dass es sich so anfühlen muss. Ausgeliefert, keine Kontrolle, aber die Angst willkommen, die sich in purem Genuß entlädt.
Diese Reise ist einmalig, nie wieder wird es genauso sein, immer wieder ein bisschen anders und immer wieder wird es nie wieder genauso sein, wie es dann ist.
Jekylla - 05.03.2006


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